Gedanken zu Weihnachten

Als der weiße Hase an mir vorbeilief und mir, verbunden mit einem kurzen Kopfnicken, „Frohe Weihnachten“ wünschte, hatte ich mir eigentlich etwas anderes vorgestellt.
Vor meinen Augen, hinter den sich lang erstreckenden, mit Schnee bedeckten Feldern, nur knapp vor dem Horizont und fast am Ende der Welt, lag die ruhende Stadt und strahlte den Rest des Festes aus sich heraus, hin zu mir, und wärmte mich selbst auf meiner von Frost bedeckten Bank noch ein wenig. Währenddessen stieg mir der Geruch, der sich nach überall hin verströmte, in die Nase und ich schloss meine Augen und begann zu träumen.
Von der festlichen, regen Stadt, die in diesen Tagen in all ihrer Schönheit erschien.
Von riesigen, geschmückten Tannenbäumen, die in den Zentren der Stadt standen und ihr Licht nach überall hin, bis in die Menschen selbst hinein, erstrahlten.
Von Schneebedeckten Lichterketten, die die Bezirke erleuchteten.
Von nach Lebkuchen und Glühwein duftenden Straßen, die mit heiterem Geschwätz angefüllt waren.
Von den Menschen in den Straßen, die ihre Sorgen für Momente, sogar Stunden, abgelegt hatten und deren Herzen vor weihnachtlicher Liebe innerlich brannten.
Und von all der heiteren, ausgelassenen Stimmung, die zwischen all ihnen herrschte.
In mich hineinlächelnd betrachtete ich dieses Bild für einige Sekunden, wenn nicht sogar Minuten, und musste bei all diesen Erinnerungen ganz natürlich ein wenig in dem Glück versinken, das sie in mir verbreiteten.
Nun, da ich die Augen wieder öffnete und auf die Stadt sah mischten sich diese Glücksgefühle mit einem kleinen bisschen Bitterkeit, das mit unsäglicher Mühe versuchte in mein Herz einzudringen und das Lächeln meiner Augen, nicht das meines Mundes, zu verschmälern.
Zwar strahlte die Stadt noch immer Wärme, Licht und Duft aus, doch ganz anders, stark veränderten, ja geradezu unglaublich konträr, nachdem das große Chemiewerk in die Luft gegangen war.
So saß ich da, sinnierend, während mich ab und an ein Tier grüßte und wollte darauf bestehen, dass man mich erschösse, wenn man mir das Anrecht darauf ein dennoch weihnachtliches Gefühl zu empfinden, abspräche.

24.1.08 19:58

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