9,81 m/s²

Ich saß auf einer Wolke. Einer weißen, schönen, erhabenen Wolke, die mich über Allem schweben ließ und deren flaumige Watte mich sicher und bequem trug. Nichts konnte mich erreichen, nichts berühren, noch schädigen, denn ich befand mich außerhalb aller Reichweite und ich war euphorisch glücklich dabei.
Doch wie aus dem Nichts des klaren, blauen Himmels, der sich über mir erstreckte, kam ein Windstoß. Weder zu stark noch zu schwach, doch kräftig genug meine Wolke zu zerteilen und mir den Halt zu nehmen, den ich meinte gehabt zu haben.
War ich mir nicht sicher gewesen, dass nichts diesen festen Halt hätte zerstören können? War ich nicht der festen Überzeugung gewesen, dass nur ein Sturm riesigen Ausmaßes, welcher eindeutig nicht im Anmarsch gewesen war, meine Wolke hätte zerstören können?
Ich war bestürzt über meinen Trugschluss, bestürzt darüber, dass ein kleiner Windstoß, gerade kräftiger als eine Böe, mir meinen sicheren Halt genommen hatte und so begann ich zu stürzen.
Keine Wolke konnte mich nunmehr fangen, denn ich durchbrach sie alle mit rasender Geschwindigkeit.
In meinem Fall sah ich Wolken, auf denen andere Personen schwebten und ich wurde ihrer neidisch, da ich immer tiefer fiel, mich immer weiter von ihnen entfernte, und sie auf ihrem erhabenen Punkt sitzen blieben. Ich sah Vögel und auch ihrer wurde ich neidisch, da sie sich mit eigener Kraft in der Luft halten konnten, während ich auf andere Hilfsmittel angewiesen war. Und ich sah weitere Personen, deren Wolken ich in meinem Sturz durchbrach, und sie somit zwang mit mir zu stürzen.
Die vorbeirasende Luft brannte an meiner Haut und der Fall bereitete mir Schmerzen, welche zuvor unvorstellbar gewesen waren. Meine Höchstgeschwindigkeit hatte ich schon seit langem erreicht.
Nun rückte das Schicksal, welches mir bevorstand, immer näher.
Aus sieben Kilometern Höhe mit einer Beschleunigung von 9,81 m/s² hin zur Erdoberfläche, dann der Aufprall.
Mir wurde schwarz vor Augen.

19.5.07 17:12

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Malefiz (22.5.07 21:31)
Nun... ich kommentiere es, wie versprochen.
Wie ich bereits gesagt habe,
finde ich die Geschichte wundervoll.
Ein wenig erkenne ich mich selbst darin.
Ich hoffe, dass noch weitere Geschichten folgen werden.
*lächelt*



...bis dann.

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