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Hase und Fuchs

Diese Geschichte ist meiner Cousine gewidmet, die eine Gutenachtgeschichte um 4 Uhr verlangte.

Als der Fuchs eine schönen Sonntag morgens erwachte und die blühenden, sich im Wind wiegenden und in der Sonne badenden Blumen und die sommerlich rauschenden Bäume und die wunderbare Schönheit der Welt erblickte, entschloss er sich ob dieser überwältigenden Schönheit Philosoph zu werden und keinem Tier je mehr etwas zu leide zu tun
So legte er sich in den Schatten eines Baumes und freute sich des Anblickes und seiner neu gewonnenen Erkenntnisse, als ein Hase geschäftig vorbeilief.
Der Fuchs, der dies gesehen hatte, setze sich auf und dachte: „Zwar ist der Hase kein so gebildetes Tier wie ich, aber dennoch will ich versuchen ihm einen Teil meiner Freude an der Welt abzugeben.“ Und er rief: „Hase! Bleib stehen! An einem so wunderschönen Tag solltest du eine Weile Halt machen und mit mir sprechen.“ Und der Hase blieb stehen und sah ihn lange an, bevor er seine Schneidezähne ein wenig nach vorne schob und in eiligem, entnervtem Tonfall antwortete: „Schöner Tag! Zu warm ist es und zu hoch ist das Gras, um einen neuen Bau zu bauen! Schöner Tag!“ und wollte schon weiter springen, als der Fuchs ruhig hinzusetzte: „ Aber freust du dich denn nicht an der Sonne und den Blumen und dem Wind? Setze dich einen Moment zu mir, ruhe und genieße und dein Bau wird von ganz alleine fertig werden.“ „Ruhe!“ empörte sich da der Hase „fertig werden! Nie wird er fertig, wenn ich mich an den ungünstigen Baubedingungen erfreue. Faulenzen – nichts weiter ist das. Der Bau baut sich nicht von alleine, vor allem nicht an einem solchen Tag. Ich muss weiter – Zeit nicht verschwenden.“ Er gab einen pfeifenden Ton von sich, wiederholte noch einmal „Ruhe!“ und lief weiter.
Enttäuscht sank der Fuchs zurück ins hohe Gras und verfiel in tiefes, langes Denken. Und er dachte darüber nach wie er dem Hasen ein kleines Stück Ruhe und Zufriedenheit schenken konnte und er dachte nach, wie er für alle Tiere die Welt ein klein wenig besser machen konnte.
Und dann, plötzlich, sprang er aus seinem Denken heraus auf, lief zum Hasen und fraß diesen mit Haut und Haar auf.

4.1.09 18:14, kommentieren