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Gedanken zu Weihnachten

Als der weiße Hase an mir vorbeilief und mir, verbunden mit einem kurzen Kopfnicken, „Frohe Weihnachten“ wünschte, hatte ich mir eigentlich etwas anderes vorgestellt.
Vor meinen Augen, hinter den sich lang erstreckenden, mit Schnee bedeckten Feldern, nur knapp vor dem Horizont und fast am Ende der Welt, lag die ruhende Stadt und strahlte den Rest des Festes aus sich heraus, hin zu mir, und wärmte mich selbst auf meiner von Frost bedeckten Bank noch ein wenig. Währenddessen stieg mir der Geruch, der sich nach überall hin verströmte, in die Nase und ich schloss meine Augen und begann zu träumen.
Von der festlichen, regen Stadt, die in diesen Tagen in all ihrer Schönheit erschien.
Von riesigen, geschmückten Tannenbäumen, die in den Zentren der Stadt standen und ihr Licht nach überall hin, bis in die Menschen selbst hinein, erstrahlten.
Von Schneebedeckten Lichterketten, die die Bezirke erleuchteten.
Von nach Lebkuchen und Glühwein duftenden Straßen, die mit heiterem Geschwätz angefüllt waren.
Von den Menschen in den Straßen, die ihre Sorgen für Momente, sogar Stunden, abgelegt hatten und deren Herzen vor weihnachtlicher Liebe innerlich brannten.
Und von all der heiteren, ausgelassenen Stimmung, die zwischen all ihnen herrschte.
In mich hineinlächelnd betrachtete ich dieses Bild für einige Sekunden, wenn nicht sogar Minuten, und musste bei all diesen Erinnerungen ganz natürlich ein wenig in dem Glück versinken, das sie in mir verbreiteten.
Nun, da ich die Augen wieder öffnete und auf die Stadt sah mischten sich diese Glücksgefühle mit einem kleinen bisschen Bitterkeit, das mit unsäglicher Mühe versuchte in mein Herz einzudringen und das Lächeln meiner Augen, nicht das meines Mundes, zu verschmälern.
Zwar strahlte die Stadt noch immer Wärme, Licht und Duft aus, doch ganz anders, stark veränderten, ja geradezu unglaublich konträr, nachdem das große Chemiewerk in die Luft gegangen war.
So saß ich da, sinnierend, während mich ab und an ein Tier grüßte und wollte darauf bestehen, dass man mich erschösse, wenn man mir das Anrecht darauf ein dennoch weihnachtliches Gefühl zu empfinden, abspräche.

24.1.08 19:58, kommentieren

Alice

Ich steh vor einer Mauer mit dem Rücken an der Wand
Leuchtend blaue Augen sind mir grimmig zugewandt
Stechend sehen sie mich an
Ziehen mich in ihren Bann
Und ich weiß, dass ich mich von ihnen nicht mehr losreißen kann
„Welches Grauen stellt ihr dar?“
Frage ich das Augenpaar
„Entspringt ihr meiner Angst oder seid ihr etwa wahr?
Was sucht ihr in der dunklen Nacht,
Die alle Menschen ängstlich macht?“
Erschrocken sehe ich mich um, als eine kalte Stimme lacht
„Ich bin die Angst, die dich durchfährt,
solange wie dein Leben währt
Doch bin ich auch der, dem du traust
Der, auf dem du dich selbst erbaust
Und doch bin ich dein schwächstes Glied
An dem die Kette laufend zieht
Das mit der Zeit zu Nichts zerfällt
Und dich vor dir selbst entstellt“
Ich weiche vorm Untier zurück,
Das mich fest an die Mauer drückt
„Was du sprichst ist mir einerlei“
Lauten die Worte, die ich schrei,
Um mich vor mir selbst zu schützen,
Doch all das will mir nicht recht nützen
„Was ich sprech ist dir nicht egal
Ich sehe es an deinem Blick
Und stelle dich nun vor die Wahl
Verspürst du Angst, so weich zurück
Bist du bereit dich zu erkennen
So will ich meinen Namen nennen“
„Ich kenne mich“
„Du kennst dich nicht
Ich tue hier nur meine Pflicht
Und nimmst du dann die Wahrheit hin,
verrate ich dir wer ich bin“
Zwar sehe ich das Mädchen nicht,
Aus dessen Mund mein Wahnsinn spricht,
Doch hoffe ich auf sein Erbarmen
Und frage es nach seinem Namen
„Dann sprich, sag, wie wirst du genannt?“
„Alice, Alice im Wunderland,
Ich führ dich an des Wahnsinns Hand“

25.1.08 17:36, kommentieren

Paprika


Material: Kohle; Acryl

25.1.08 18:01, kommentieren